Nachtreffen Promemoria_Auschwitz in Toblach: Was bleibt? Was geht weiter?
Das Nachtreffen der Südtiroler Teilnehmenden von Promemoria_Auschwitz im Kulturzentrum in Toblach zeigte eindrücklich: Die Reise der Erinnerung endet nicht mit der Rückkehr – sie wirkt weiter. In Gedanken, Gesprächen und im eigenen Blick auf unsere Gesellschaft.
Rund
400 junge Menschen aus Südtirol, dem Trentino und dem Land Tirol nahmen im
März 2026 an der
Bildungsreise nach Krakau und zu den Gedenk- und Erinnerungsorten Auschwitz-Birkenau teil. Geschichte wurde dabei vor Ort greifbar. Orte, die zuvor nur aus Büchern oder Videos bekannt waren, standen plötzlich direkt vor ihnen. Zurückgelassene Gegenstände, Namen der Opfer und stille Räume machten deutlich: Hinter den unfassbaren Zahlen stehen einzelne Menschen, Geschichten und zerstörte Leben.
Auch das Abschlusstreffen der Südtiroler Gruppen in Toblach zeigte, wie prägend diese Erfahrung ist. Viele stellten sich die Frage: Wie konnte es so weit kommen – und was hat das mit uns heute zu tun? Dabei wurde auch deutlich: Geschichte endet nicht dort. „Nie wieder“ bedeutete nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus und nie wieder Völkermord. Und dennoch folgten weitere Gewaltverbrechen und Genozide. Auch die aktuelle Situation in Palästina und menschliches Leid weltweit
werfen Fragen auf, wie wir heute mit Verantwortung, Menschlichkeit und Menschenrechten umgehen.
Gemeinsam wurde weitergedacht: Wo müssen wir genauer hinschauen? Wie gehen wir mit Ungerechtigkeit, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Spannungen um? Und was können wir selbst dazu beitragen, damit die Welt jener Ort wird, den wir uns wünschen?
In Schreib- und Austauschformaten setzten sich die Teilnehmenden bewusst mit offenen Fragen, Zweifeln und Gedanken auseinander. Es ging nicht darum, Geschichte „abzuschließen“, sondern Verantwortung daraus abzuleiten.
Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich:
Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit sind keine Selbstverständlichkeiten. Gerade in einer Zeit von Polarisierung, Ausgrenzung und globalen Konflikten braucht es Aufmerksamkeit, Haltung und Zusammenhalt. Die Jugendarbeit sieht es als wichtige Aufgabe, junge Menschen in diesen Prozessen zu begleiten. Projekte wie Promemoria_Auschwitz schaffen Räume für kritische Auseinandersetzung, Reflexion und persönliches Wachstum – weit über die eigentliche Reise hinaus.
Viele der Teilnehmenden werden dabei zu sogenannten
Zweitzeug:innen: Sie tragen Geschichten und Erinnerungen weiter, erzählen davon, hinterfragen und sensibilisieren ihr Umfeld. Erinnerungsarbeit endet damit nicht an den historischen Orten, sondern wirkt weiter im Alltag der Jugendlichen. Das Nachtreffen in Toblach hat gezeigt: Erinnern ist nicht nur ein Blick zurück. Es ist eine Frage an die Gegenwart – und ein Auftrag für die Zukunft.
Organisiert wurde das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste, Arciragazzi, MeTe, Arci del Trentino und Deina – unterstützt von der Autonomen Provinz Bozen, der Autonomen Provinz Trient, der Region Trentino–Südtirol sowie dem Land Tirol.